Modern achtsam leben: Warum Slow Life die Antwort ist

Kennst Du das Gefühl: Der erste Tag vom Urlaub ist gekommen. Du hast viele Pläne, das Auto ist für den Campingtrip gepackt, aber genau jetzt fühlst Du Dich irgendwie krank? Schuld daran ist der konstant hohe Adrenalinspiegel, der bei Entspannung plötzlich in den Keller sackt: Unsere moderne Lebenswelt ist derart gespickt mit Reizen, dass die meisten von uns gar nicht mehr bewusst wahrnehmen, dass sie unter Dauerstress stehen. 

Inzwischen gibt es hierfür sogar einen eigenen Ausdruck, das sogenannte „Leisure Sickness-Syndrom“ („Freizeit-Krankheit-Syndrom“) von dem jeder fünfte Deutsche schon einmal betroffen war.

Die Nachfrage nach Ratgebern zum Thema Entschleunigung zeigt, dass die Sehnsucht nach einem stressfreien und nachhaltigeren Lebensstil groß ist. Ebenso steigt das Interesse an bewussten Aktivitäten an der frischen Luft wie z. B. Gärtnern, Kräuterkunde oder Mikroabenteuern, welche uns dem Alltagsstress entfliehen lassen. Die Menschen wollen ihrer Umwelt und sich selbst wieder näher kommen. Nachhaltigkeit und Entschleunigung können Dir dabei helfen Deinen persönlichen Slow Lifestyle zu finden.

Wir erklären in diesem Beitrag, was Slow Life konkret bedeutet, was dieser Ansatz mit Nachhaltigkeit zu tun hat und zeigen, wie Du mit wenig Aufwand Deinen Alltag bewusst entschleunigst.

Was steckt hinter dem Slow-Life-Prinzip?

Lange Zeit galt „höher, schneller, weiter“ als ein erstrebenswertes Lebensmotto. Doch diese vermeintliche Optimierung in sämtlichen Bereichen hat uns zu etwas geführt, das alles andere als gut und sinnvoll ist: Unser Streben nach mehr hat fatale Auswirkungen auf unsere Umwelt, führt zur Ausbeutung sozial schwächer gestellter Menschen und setzt uns selbst einem permanenten Leistungsdruck aus. Jeden Tag kämpfen wir Menschen mit den unzähligen Reizen unseres schnelllebigen Alltags. 

Diesem vermeintlich modernen Lifestyle steht der Slow Life Ansatz gegenüber. Er bedeutet nicht, dass Du keine Pläne mehr für Deine Freizeit machen darfst und Deine Alltagsaufgaben liegen lässt. Vielmehr setzt Du Dich bewusst mit Dingen und Unternehmungen auseinander, nimmst Dir mehr Zeit, zum Beispiel für das Treffen mit Freunden oder einen Spaziergang durch den Wald. Dadurch bist Du fokussierter, reduzierst überflüssige Stressfaktoren und erlebst intensiver.

Doch das ist noch nicht alles, was zu einem Slow Life gehört. Du und die Umwelt werden nachhaltig profitieren, wenn Du Dich für die Entschleunigung Deines Alltags entscheidest. 

Was bringt Slow Life für Dich und Deine Umwelt? 

Achtsamkeit, Konsumkritik und Nachhaltigkeit gehen bei einem Slow Life Hand in Hand. Sinn und Zweck der umfassenden Entschleunigung ist, dass wir uns auf das Wesentliche besinnen und elementare Aspekte unseres Alltags kritisch hinterfragen: 

  • Was tut mir gut? 
  • Was tut meiner Umgebung gut? 
  • Was brauche ich wirklich zum Leben? 
  • Woher kommen die Produkte, die ich kaufe? 

 

Was tut Dir gut – Slow Supply

Im Zentrum des Slow Life stehst Du. 

Die Lebensweise nach dem Slow-Life-Prinzip setzt somit dort an, wo andere wegschauen. Nämlich bei Dir. Indem Du achtsam bist, erfährst Du, was Dich glücklich macht und was Dich unnötig stresst. Wenn Du liebevoll im Umgang mit Dir selbst bist, dann überträgt sich dies auf Deine Umgebung. Außerdem bekommst Du ein Gespür dafür, was Du wirklich brauchst und was unnötiger Ballast ist, den Du nicht mehr mit Dir herumtragen möchtest. 

Dies bringt einen positiven Kreislauf in Gang: Du achtest auf Deine mentale und physische Gesundheit genauso wie auf Deine Umwelt. Gleichzeitig bist Du achtsamer im Umgang mit Ressourcen und umgibst Dich vor allem mit den Menschen und Dingen, die Du magst. Auch die Frage, woher die Produkte kommen, die Du nutzt, wird für Dich relevanter und die Entscheidung für hochwertige, langlebige Produkte, die hergestellt wurden, ohne die Umwelt unnötig zu belasten, fällt Dir leichter. 

Wie bereichert es mich, achtsam zu leben?

Durch die bewusste Entscheidung für mehr Achtsamkeit in Deinem Alltag, lernst Du, für Dich und Deine unmittelbare Umgebung Prioritäten zu setzen. Durch eine Entschleunigung des Alltags …

  •  …erlebst Du einzelne Erlebnisse intensiver, was diese enorm aufwertet. Du wirst mehr positive Erinnerungen behalten, als je zuvor.
  •  …vertiefst Du zwischenmenschliche Beziehungen, da Du mehr Ruhe hast, aufrichtiges Interesse an anderen Menschen zu zeigen und mehr Zeit, Dich den Problemen Deines Gegenübers intensiv zu widmen. 
  •  …verminderst oder verhinderst Du psychische und physische Erkrankungen, da Du verstärkt auf einen gesunden Lebensstil achtest.

Statt ständig von einem Termin zum nächsten zu hetzen und das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen, kannst Du Dich wieder auf das besinnen, was wirklich wichtig ist: deine Freunde, Familie und Hobbies, Ziele und Träume. Und ohne das Bedürfnis ständig neue Produkte zu kaufen, die Du nur für den kurzen Endorphinrausch kaufst, schöpfst Du Glück aus Dir selbst und setzt beim Produktkauf auf nachhaltig und fair produzierende Anbieter.

Slow Life ist somit gewissermaßen Selbstfürsorge in seiner Reinform. Dieser Lebensstil ersetzt ein rasantes Lebenstempo durch das bewusste Erleben und Genießen Deiner selbst gewählten Wege. Für diese Wege haben wir einige praktische Tipps und Ideen für Dich recherchiert.

Wie kann ich mein Leben achtsamer gestalten?

Falls Du mit dem Begriff „achtsam“ bisher nicht viel zu tun hattest, weder achtsam arbeitest noch lebst, haben wir nun einige praktikable Tipps für Dich. Schon kleine Veränderungen helfen, mehr Ruhe in Deinen Alltag zu bringen. Leider verfallen wir häufig aus Bequemlichkeit in Routinen, die uns und unserer Umwelt nicht guttun. 

Beispielsweise die schnelle Bestellung im größten Onlineshop der Welt, die Kurzstreckenfahrt mit dem Auto statt mit dem Rad, der Einkauf von Gemüse und Obst, das in überflüssigen Plastikverpackungen griffbereit im Supermarkt liegt. Hand aufs Herz: Das können wir besser.

Bis wir eine Gewohnheit wirklich verinnerlicht haben, dauert es allerdings circa 66 Tage. Baue Dir deswegen kleine Hilfestellungen ein, damit Du Deine Ziele immer vor Augen hast.

Jedes Mal, wenn Du ins Auto steigst, solltest Du Dich fragen, ob Du den Weg nicht auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewerkstelligen kannst. Klebe Dir einen Post-it auf das Lenkrad oder stelle Dir eine Erinnerung im Smartphone ein. So vergisst Du Deine Vorsätze nicht, selbst wenn Du in Gedanken bist. Statt im Supermarkt das in Plastik verpackte Gemüse und Obst zu kaufen, könntest Du ein Mal pro Woche einen Wochenmarkt besuchen und regional einkaufen. Dadurch schaffst Du einen stärkeren Bezug zum Gekauften, kannst Obst und Gemüse genau betrachten und einzeln auswählen.

Mache Dir klar, was Deine konkreten Ziele sind. In welchen Bereichen möchtest Du achtsamer werden? Vielleicht haben Dir die Fragen gerade schon eine gute Grundlage geliefert.

So startest Du Dein Slow Life

Mann auf Skateboard mit Hund an der Leine – Slow Supply

Weniger Stress und ein Leben im hier & jetzt sind Ziele des Slow Life.

Um mit Deinem persönlichen Slow Life zu starten, identifiziere zuerst Deine Stressfaktoren. Nehme Dir dazu am besten Zettel und Stift und schreibe frei heraus, was Dich stresst und welche Situationen negative Emotionen in Dir auslösen. Dann kannst Du Deine gesammelten Punkte in einer Mindmap visualisieren – zum Beispiel sortiert nach Themen wie Arbeit, Persönliches, zwischenmenschliche Beziehungen und so weiter. So schaffst Du Klarheit und kannst die Aspekte, die Dich am meisten stören, gezielt angehen.

Zum Slow Life gehört auch Nachhaltigkeit und Konsumbewusstsein. Neben Deinen Zielen solltest Du deswegen auch Deinen Status quo ermitteln. Was tust Du, um nachhaltiger zu leben? Wir haben einige Tipps zusammengestellt, wie sich Nachhaltigkeit und weniger Stress im Beruf sowie im privaten Alltag umsetzen lassen.

Tipps für einen achtsamen Berufsalltag

  • Ist Dein Terminkalender immer vollgepackt? Du musst lernen Deine Zeit zu priorisieren und auch mal „Nein“ zu sagen. Nicht jeder Termin ist wichtig. Versuche Dir bei Deinen Plänen und Aufgaben, wann immer möglich, einen größeren zeitlichen Puffer einzuplanen, als Du voraussichtlich brauchst. Zu viel Stress führt dazu, dass Du weniger achtsam bist. Dies bedeutet oft zwangsläufig, dass Du von Deinen Zielen abkommst und weniger umweltbewusst lebst, als Du es gerne würdest. Zeit zu haben, das eigene Handeln zu reflektieren ist essentiell für das entschleunigte Leben.

  • Apropos umweltbewusst. Wie häufig holst Du Dir in der Mittagspause auswärts etwas zu essen oder einen Coffee-to-go? Die meisten Verpackungen sind leider immer noch nicht nachhaltig, versuche deswegen darauf zu verzichten oder nimm Deinen eigenen wiederverwendbaren Kaffeebecher mit. Statt Essen unterwegs zu kaufen, könntest Du zu Hause gesund vorkochen oder, falls es doch mal schnell gehen muss, Deine eigene Lunch-Box mitnehmen. Damit schonst du nicht nur die Umwelt, sondern erlebst auch Deine Mahlzeit bewusster.

  • Arbeitest Du im Homeoffice? Durch diese Arbeitsform sparen wir uns nicht nur die Zeit für den Arbeitsweg, sondern starten entspannter in den Tag und müssen uns nicht hetzen. Falls Du bisher noch nicht zu Hause arbeitest, obwohl Du es theoretisch könntest, sprich Deinen Chef an und geht diese Option gemeinsam durch.

  • Falls es Dir schwerfällt im Homeoffice oder bei der Arbeit im Büro achtsam und konzentriert zu bleiben, versuche, Dir bewusste Auszeiten zu nehmen. Gehe in der Mittagspause an die frische Luft, mache eine kurze, entspannende Yoga-Einheit oder lege Dich für eine kurze Ruhepause auf die Couch.

  • Nimm Dir zudem genügend Zeit für Dein Mittagessen und verschlinge es nicht, während Du vor dem Computer sitzt. Durch unaufmerksames Essen, verspeisen wir größere Mengen, als unser Körper braucht und fühlen uns anschließend überladen und unkonzentriert.

  • Eine weitere Grundvoraussetzung für effizientes Arbeiten, besonders im Homeoffice, ist Deine Kleidung. Du kannst ruhig Deine Jogginghose anbehalten, solltest Dich obenrum aber anziehen, als würdest Du Deinen Kollegen gegenüber sitzen. So kommst Du leichter in einen fokussierten Arbeitsmodus.

  • Arbeitest du nicht zu Hause, ist es natürlich bequem auf seinen vier Rädern zur Arbeit zu fahren. Es fühlt sich heimischer an, als in einer vollen Bahn zu sitzen. Doch leider verstopft der Überfluss an Autos unsere Straßen und führt zu CO2-Ausstößen und einer großen Belastung durch Kunststoffpartikel in der Umwelt, die leicht vermieden werden können.

    Wie wäre es, wenn Du mindestens ein mal pro Woche mit der Bahn zur Arbeit fährst oder, bei kürzeren Strecken, mit dem Fahrrad? Nach kurzer Zeit wirst Du Dich an Dein neues Fortbewegungsmittel gewöhnt haben. Während Du in der Bahn sitzt, hast Du außerdem Zeit nur für Dich. Du kannst ein Buch zu lesen oder einfach aus dem Fenster schauen. Und beim Fahrradfahren tust Du nicht nur der Umwelt, sondern vor allem Deinem Körper etwas Gutes und spürst vielleicht ein paar Muskeln, die schon länger nicht beansprucht wurden.

  • Bewusste Auszeiten sollten auch für Dein Smartphone und Mail-Postfach gelten. Du kennst es bestimmt: Ständig kommen neue Nachrichten per Mail, Messenger und Co. rein und sofort hängst Du vor dem Bildschirm. Schalte sämtliche Benachrichtigungen auf stumm, entferne Berechtigungen für Pop-up-Benachrichtigungen und setze Dir feste Zeiten, zu denen Du Deine offenen Nachrichten bearbeitest. So schaffst Du Fokus-Zeit und wirkst einer mentalen Überbelastung vor.

Unsere Tipps für Deinen privaten Alltag:

  • Packe Dir Deinen Kalender auch in der Freizeit und im Urlaub nicht zu voll, sondern schaffe Dir bewusste Auszeiten nur für Dich und das was dir wichtig ist: ein Filmabend mit Deinen Freunden, ein ausgiebiges Frühstück mit der Familie, ein heißes Bad. Es sind genau diese kleinen Momente, die Energie schenken und die das Leben lebenswert machen. Ein Sprichwort sagt „Sammle Erinnerungen, nicht Dinge“ – und genau so solltest Du Deinen Alltag entschleunigen.

  • Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass Du, um achtsam und minimalistisch zu sein, aus einem Rucksack leben musst, ist es auch möglich sich lediglich etwas zu reduzieren. Gehe in Deiner Wohnung die einzelnen Räume durch und trenne Dich von Dingen, die keinen Nutzen für Dich haben oder die Dich nicht mehr glücklich machen. Befreie Dich von Altlasten und schaffe so mehr Raum, um Dich auf Dich selbst zu fokussieren.

„Die Dinge, die Du besitzt werden letztendlich Dich besitzen.“

 (Chuck Palahniuk – Zitat aus Fight Club) 

  • Schaffe Achtsamkeitsrituale die Dir guttun und entschleunigen. Angefangen bei Atemtechniken, die im Yoga Verwendung finden, über ein Durchatmen beim Waldbaden bis hin zur täglichen Erstellung einer Liste, auf der Du Dinge notierst, für die Du an diesem Tag dankbar warst. Rituale und ein Gespür für Dankbarkeit hilft Dir dabei zu realisieren, was Du in Deinem Leben zu schätzen weißt. Eine Liste wird Dir langfristig mehr Zufriedenheit geben als schnelles Onlineshopping oder ein vollgepackter Terminkalender – garantiert.

  • Lass Dich nicht von Social-Media-Kanälen und Co. ablenken. Setze Dir feste „Online-Zeiten“ pro Tag und stelle die automatische Kontroll- beziehungsweise Warnfunktion in Deinem Smartphone ein. So verlierst Du Dich nicht im World Wide Web. Auch auf Dein Smartphone kannst Du zur Unterstützung minimalistisch einrichten, indem Du alle überflüssigen Apps entfernst. So vermeidest Du unerwünschte Ablenkungen und schaffst zugleich Platz für die ein oder andere nachhaltige App. 

Neben diesen Tipps gibt es jede Menge weiteren Input, der Dich auf Deinem Weg zum Slow Life unterstützt. Einige Anregungen haben wir für Dich zusammengestellt.

Bücher, Apps und Co. – hier findest Du Inspiration für Dein Slow Life

Der Slow Life Ansatz klingt interessant und Du möchtest Dir noch mehr Inspiration holen? Wir haben für Dich eine Linksammlung zusammengestellt. Sie enthält Buchtipps, Apps und eine Mini-Dokumentationsserie mit einem Schwerpunktthema pro Folge, die Dir Einblicke in das Thema Achtsamkeit bietet.

Entschleunigter Alltag für mehr Zufriedenheit

Vielleicht haben wir Dir mit unseren Tipps und Inspirationen den ersten Anstoß für Dein Slow Life gegeben. Vielleicht bist Du auch schon mittendrin? Egal in welcher Phase Du Dich gerade befindest, dieser Lebensstil ist in jedem Fall eine gute Entscheidung. Nach einiger Zeit wirst Du merken, wie sehr ein Leben mit weniger Hektik und Konsum Deine Lebensqualität positiv beeinflusst und wie wenig Du zum Glücklichsein brauchst. 

Bewusster, achtsamer und entschleunigender leben, wird von Tag zu Tag wichtiger – für uns und für unsere Umwelt. 

Titelbild von Ksenia Makagonova. Weitere Fotos von Cameron Stewart und Chris Osmond. 

 

Hannah Doths Online Redakteurin bei inara schreibt
Online Redaktion
Hannah Doths ist Onlineredakteurin und begeistert sich für den Klettersport sowie ausgiebige Wanderungen durch die Wald- und Felslandschaften unserer schönen Erde. Mit Rücksicht auf die Natur möchte sie durch ihren vegetarisch-nachhaltigen Lifestyle einen kleinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.