Kreislaufwirtschaft und Cradle to Cradle: Was Circular Economy bedeutet

Rund 227,5 Kilogramm Verpackungsmüll kamen 2018 durchschnittlich auf jeden Einwohner in Deutschland – Tendenz steigend. Das schreibt ein Reporter der Welt unter dem Titel Das Märchen vom Ende des Mülls.“

Das bereits 1996 in Deutschland in Kraft getretene Kreislaufwirtschaftsgesetz, das die Schonung natürlicher Ressourcen und die Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen fördern soll, zeigt also bislang wenig Wirkung.

Es ist zu hoffen, dass eine Verbesserung dieser Umstände eintritt, wenn in den kommenden Jahren die Verbote von Einwegplastikprodukten – wie Einwegbesteck oder Plastiktüten für den Einzelhandel – umgesetzt werden. Diese wurden kürzlich vom Gesetzgeber für 2021 und 2022 beschlossen. Um die Umwelt nachhaltig zu schützen, bedarf es darüber hinaus der Eigenverantwortung und Initiative von Unternehmen, NGOs sowie Privatpersonen.

Immer mehr Maßnahmen zum Schutz von Ressourcen werden auf den Weg gebracht. Um sich ein gutes Grundverständnis von ganzheitlichem Umweltschutz mit Hinblick auf Produktionsketten anzueignen und sich weiterführende Informationen zu beschaffen, lohnt sich ein näherer Blick auf die sogenannte Kreislaufwirtschaft. 

Worum es hierbei genau geht und wie das sogenannte Cradle-to-Cradle-Prinzip dazu beitragen kann, Ressourcen zu schonen und die Müllproduktion zu minimieren, erfährst Du in unserem Beitrag.

Was sind Kreislaufwirtschaft und Cradle to Cradle?

Die Kreislaufwirtschaft – engl. Circular Economy – sieht vor, dass sowohl der Ressourceneinsatz als auch die Abfallproduktion auf ein Minimum reduziert werden, indem Materialkreisläufe optimiert werden. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip – wörtlich „von der Wiege zur Wiege“ – geht sogar noch einen Schritt weiter und setzt zum Ziel, dass ein nahezu perfekter Kreislauf erreicht wird.

Das heißt, Rohstoffe, die verwendet wurden, sollen dem Kreislauf nach der Nutzung wieder zugeführt, erneut verarbeitet und wiederverwendet werden. Müll würde demnach gemäß einer optimal funktionierenden Circular Economy vollständig vermieden.

Die Natur als Vorbild: Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft

Natürlicher Kreislauf_Slow SupplyInspiration für einen natürlichen Kreislauf gibt es in der freien Natur.

Dieses Konzept geht auf den deutschen Chemiker Michael Braungart zurück. 2002 entwickelte er gemeinsam mit William McDonough, einem US-amerikanischen Architekten, die Idee. 

Als Vorbild diente den beiden die Natur. Denn biologische Kreisläufe hinterlassen keinen Abfall, alles wird wiederverwertet. Hier bietet sich das Beispiel des Komposthaufens an: Ein System, bei dem aus vermeintlichem Müll ein wertvoller Stoff in Form von Düngemittel entsteht, der wieder in den Kreislauf eingespeist werden kann.

Organische Bestandteile werden zersetzt und weiterverwendet, Gebrauchsgüter hingegen müssen nach der Nutzung für die Weiterverwendung aufbereitet werden.

Die Ideale von Michael Braungart und William McDonough, um dieses Ziel zu erreichen, sind:

  • Abfälle bzw. Restprodukte sind Teil eines Kreislaufes und können als Ressource genutzt werden.
  • Es gibt einen biologischen (bspw. Kompost) und einen technischen Kreislauf. Beispielsweise in Form von Recycling oder einer Aufbereitung, sodass die Bestandteile erneut als Rohstoff genutzt werden können.

Tipp: Lies zu diesem Thema auch unseren Beitrag: „Der Unterschied zwischen Upcycling und Recycling – das zweite Leben von Plastik-Produkten.”

  • Es werden nur so viele Ressourcen verwendet, wie ohnehin im Umlauf sind. Optimalerweise sollen – abgesehen von regenerativer Energie – keine weiteren Ressourcen eingespeist werden.
  • Es kommen keine Materialien oder Stoffe zum Einsatz, die schädlich für Mensch und Natur sind. Biologische und kulturelle Diversität haben eine hohe Priorität, der Mensch soll als Nützling wahrgenommen werden und entsprechend handeln.
  • Erneuerbare Energien sind essentiell. Industrie und Umwelt sind Partner, keine Gegner.

Welche Kritikpunkte birgt die Kreislaufwirtschaft?

Um via Cradle to Cradle zu einer optimierten Kreislaufwirtschaft zu gelangen, ist ein Umdenken in unserer Wirtschaft erforderlich. Angefangen beim Produktdesign über die Wahl der eingesetzten Materialien und regenerativen Energiequellen bis hin zu Herstellungs- und Rücknahmeprozessen (z. B. von Altglas, Textilien etc.).

Sowohl technische als auch biologische Aspekte müssen dabei in die Planung einbezogen werden, um einen ganzheitlichen, in sich geschlossenen Prozess zu ermöglichen.

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen, die sich zum Thema äußern. Weniger wegen des Grundgedankens der Kreislaufwirtschaft, sondern vielmehr wegen der voraussichtlichen Art der Umsetzung. Kritiker führen folgende Aspekte an:

  • Cradle to Cradle sei nicht für sämtliche Produktionsketten umsetzbar: Es gibt immer Industriezweige, die Ressourcen investieren müssen, ohne diese vollständig kompensieren zu können.
  • Die Umsetzung einer Circular Economy sei zu kostenintensiv: Oftmals ist es wirtschaftlich betrachtet günstiger, neue Produkte herzustellen, statt eine aufwendige Aufbereitung von Materialien zu realisieren.
  • Green-Washing von eigentlich wenig umweltfreundlichen Produkten: Viele Waren werden als ökologisch und nachhaltig gekennzeichnet, um sie attraktiver für die Konsumenten zu machen. Bei näherer Betrachtung entspricht die versprochene Nachhaltigkeit der Produkte aber nicht der Realität. 
  • Keine Reduzierung des Überkonsums: Eigentlich sollte die Devise weniger ist mehr“ lauten, jedoch reduzieren wir unnötigen Konsum nicht, wenn wir unser Konsumverhalten nicht ressourcenschonend anpassen.

Kritische Stimmen gibt es bekanntlich immer, selbst wenn es um ein so erstrebenswertes Ziel wie die vollständige Vermeidung von Müll und die Schonung der Ressourcen unseres Planeten geht. Bei der Erreichung eines Ziels geht es deswegen immer auch darum, Gegenpositionen zu kennen und zu verstehen. Nur so wird es letztendlich gelingen gemeinsam Fortschritte zu machen und eine Verbesserung für uns und die Natur umzusetzen.

Welche Cradle-to-Cradle-Initiativen gibt es?

Du hast sicherlich bemerkt, dass die entscheidende Frage folgendermaßen lauten sollte: Welche Auswirkungen hat die Kreislaufwirtschaft auf unsere Umwelt? Trotz aller Kritik birgt das Cradle-to-Cradle-Prinzip enormes Verbesserungspotenzial hin zu einer Wirtschaft, die verantwortungsbewusst(er) mit Ressourcen umgeht und somit einen wichtigen Schritt in Richtung Umweltschutz geht.

Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, die sich selbst Ziele für eine nachhaltige Circular Economy gesteckt haben. Angefangen bei kompostierbaren Textilien für Kleidung über Möbel und Reinigungsmittel bis hin zu Recyclingkreisläufen für Fahrradschläuche. Zwei unter ihnen sind:

  • Die Stiftung Cradle to Cradle – Wiege zur Wiege e. V. mit Sitz in Berlin engagiert sich als Bildungs- und Netzwerkplattform. Es handelt sich sozusagen um eine Circular Economy Initiative für und in Deutschland. Das Cradle-to-Cradle-Prinzip soll greifbarer und bekannter werden. Zudem werden Menschen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Politik und Zivilgesellschaft aktiv zusammengebracht, um an gemeinsamen Ideen und Projekten zu arbeiten.

Um Dich für die Kreislaufwirtschaft stark zu machen, lohnt es sich, sich mit den Produkten, die Du kaufst auseinanderzusetzen, informiert zu bleiben und wenn Du darüber hinaus gehen willst, kannst Du für die von Dir favorisierte Initiative spenden oder Dich dort ehrenamtlich engagieren.

Tipp: Lies auch unseren Beitrag: Nachhaltige Materialien für grüne Produkte: Wir zeigen Dir den Weg zu einem plastikfreien Lifestyle.”

Wo und wie wird das Cradle-to-Cradle-Prinzip angewendet?

Cradle to Cradle betrachtet sowohl ökonomische als auch ökologische und soziale Aspekte – und das in jedem Bereich beziehungsweise in jeder Branche, in der dieses ausgeklügelte Modell Anwendung findet. Sowohl Gebrauchsgegenstände und Verbrauchsmaterialien für unseren Alltag, unsere Freizeit oder unseren Beruf werden entsprechend produziert. 

Unternehmer und weitere ökologisch engagierte Menschen entwickeln neue Konzepte, schmieden Pläne und sammeln Ideen, wie wir unsere Gesellschaft weiterentwickeln können, um ganzheitlich nachhaltig zu agieren.

Zahlreiche Leuchtturmprojekte zeigen, was möglich ist, wenn wir in wertschöpfenden Kreisläufen denken und agieren: Kompostierbare Häuserfassaden, biologisch abbaubare Urnen aus Papier, Kopfhörer, die über Solarpanels gespeist werden, Fairfones aus recycelten Bauteilen, wasserlösliche Verpackungsfolie aus Maisstärke – die Beispiele sind ebenso vielfältig wie ungewöhnlich.

Den Umschwung gemeinsam erreichen: Wie kann ich mich für die Umwelt einsetzen?

Zahlreiche Cradle-to-Cradle-Produkte beweisen, dass eine abfallfreie, nachhaltige Kreislaufwirtschaft keine Utopie bleiben muss. Entsprechende Produkte bestehen zumeist aus schadstofffreien Materialien, die keine Spuren von Mikroplastik hinterlassen, rückstandslos abbaubar sind oder nach einer langen Lebensdauer wieder aufbereitet werden können.

Wenn Du einkaufst, achte stets auf Kennzeichnungen und Erläuterungen mit dem Prädikat „nachhaltig." Insbesondere mit Blick auf die offizielle Zertifizierung Cradle to Cradle Certified™“ (C2C) gehst Du sicher, Deinen wichtigen Beitrag zur Circular Economy zu leisten: Je bewusster wir einkaufen, desto größer wird die Nachfrage nach Cradle-to-Cradle-Produkten und desto geringer wird der Anteil an Konsumgütern, die nicht nachhaltig und ökologisch verantwortungsbewusst produziert werden.

Hier einige Beispiele:

  • Papierprodukte aus recycelten Materialien: Bücher, Toilettenpapier, Papierhandtücher, Taschentücher, Hygieneprodukte
  • Stifte aus recycelten Materialien natürlichen Ursprungs: Greenpoint-Produkte
  • Bekleidung, die aus Recycling-, Upcycling- oder sogar kompostierbaren Materialien bestehen und keine Rückstände wie Mikroplastik hinterlassen: Labels für Outdoor- und Sportbekleidung, Alltagskleidung
  • Haushalt und Wohnen – Naturmaterialien und Materialien aus Upcycling- oder Recyclingkreisläufen: Reinigungsmittel; Textilien, Lebensmittelzubereitung, -aufbewahrung und -transport, Möbel, Elektrogeräte, Bau mit Massivholz und weiteren C2C-zertifizierten Materialien
  • Hygiene und Körperpflege aus überwiegend natürlichen Bestandteilen, zumeist verpackungsfrei oder -arm, frei von Mikroplastik: Pflegemittel, Hygieneartikel, Kosmetik.

Tipp: Weitere Informationen zu unverpackten Produkten bekommst du in unserem Beitrag: „Unverpackt Laden: Verpackungsfrei Einkaufen mit gutem Gewissen.”  

Auf zu einer funktionierenden Wertschöpfungskette

Jetzt mit der Circular Economy starten_Slow SupplyDer neue Weg zu einer funktionierenden Wertschöpfungskette.

Eine sinnvolle, wenn nicht sogar sinnstiftende Kreislaufwirtschaft trägt nachhaltig dazu bei, dass wir unseren Müll nicht nur minimieren, sondern eine Wertschöpfungskette etablieren können, die überfällig und zugleich zukunftsweisend ist.

Wir hoffen, dass wir Dir ein wenig näherbringen konnten, worum es beim Cradle to Cradle – von der Wiege zur Wiege – geht, welche Ziele die Initiativen verfolgen und wie Du selbst einen Beitrag leisten kannst. Jeder kleine Schritt zählt, wenn wir die Umwelt schützen wollen. 

Titelbild von Gabriel Jimenez. Weitere Bilder von Sandis Helvigs und paje victoria. 

 

Hannah Doths ist Redakteurin

Über die Redaktion
Hannah Doths ist Onlineredakteurin und begeistert sich für den Klettersport sowie ausgiebige Wanderungen durch die Wald- und Felslandschaften unserer schönen Erde. Mit Rücksicht auf die Natur möchte sie durch ihren vegetarisch-nachhaltigen Lifestyle einen kleinen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten.